8 Kreativtechniken, die es so wirklich gibt

Kreativtechniken. Schließt sich das nicht gegenseitig aus? Technik, im Sinne eines geplanten Vorgehens und Kreativität? So hielt ich Kreativtechniken lange Zeit vorrangig für nichts anderes als eine Geschäftsidee für sinnlose Seminare, die traurigen Konzernangestellten ein paar Stunden Abwechslung vom drögen Arbeitsalltag bieten. Zwischenzeitlich wurde ich eines Besseren belehrt. Es gibt sie wirklich: Kreativ-Krücken, die eine zu liegen gekommene Phantasie wieder in Schwung bringen können. Allerdings sei an dieser Stelle auch angemerkt, dass man bei seinem schöpferischen Schaffen in der Regel viel Arbeit investieren muss – das Anwenden einer Kreativtechnik nimmt einem dies nicht ab, aber kann die entscheidenden Impulse liefern. Deshalb nun hier ein paar meiner persönlichen Lieblings-Tipps zur Steigerung der Kreativität, abseits der klassischen Disney- und Mind Mapping-Strategien.

Entspannung schafft Spannung

Meine wichtigste Erkenntnis gleich zuerst: Kreativität entsteht aus der Entspannung heraus – ist man verkrampft und will beispielsweise unbedingt etwas Gutes liefern, versiegt meist das kleine Kreativquellchen ganz schnell und es fällt einem nur noch abgedroschener Mist ein. Vielleicht gibt es Ausnahmen, die im Rausch der Hilflosigkeit und unter Einfluss eines gewaltigen Adrenalin-Schubs noch etwas Sinnvolles zustande bringen, aber meiner Meinung nach ist Entspannung die beste Grundlage, um auch mal neben der Spur denken zu können.

Durch Raum und Zeit

Kreativität braucht Platz – räumlich und vor allem zeitlich. Denn meist sind die ersten Einfälle nicht die besten und vergleichsweise langweilig. Schema F wird auf den Tisch gelegt und auf Flammkuchen-Höhe ausgerollt. Funktioniert, mehr aber auch nicht.

Dieses Video zeigt ganz deutlich, was mit der Kreativität bei Zeitmangel passiert:

Ok, Entspannung und Zeit. Wenn vor allem Zeit fehlt, ist es hilfreich zu versuchen trotzdem den Zustand der Entspannung hervorzurufen.

In Bildern denken

Auch sehr hilfreich, wenn nicht sogar essentiell: Bilder anschauen. Im Museum oder im Internet. Fällt mir gerade nichts ein, schaue ich mir die Augen wund: Ganz viel zu dem Thema, das ich gerade bearbeite oder zu ganz einem anderen Thema zu dem es mich gerade zieht. Ich versuche, Verknüpfungen herzustellen – so kann etwas völlig Neues entstehen. Das ist eine Technik, die auch von Grafikdesignern bei der Entwicklung von Logos verwendet wird – hier werden Elemente, die zu dem Thema passen solange miteinander verknüpft bis etwas Neues entstanden ist.

Kinderkram

Super wichtig ist auch die Pflege des inneren Kindes. Davon haben Sie sicher schon gehört. Das innere Kind ist nicht nur verletzlich und ganz lieb – das innere Kind ist vor allem rotzig, total verrückt und gemein. Dieses innere Kind sollten Sie nicht nur pflegen, sondern auch aus dessen Welt schöpfen. Das führt uns gleich zum nächsten Punkt: Kreativität ist frei. Sie dürfen nicht gleich bewerten und beurteilen, ob eine Idee gut oder schlecht ist. Das wissen Sie noch nicht. Sobald Sie bei einer Idee etwas fühlen und eine Vision entwickeln, ist das gut. Jetzt müssen Sie sie ausarbeiten und andere davon überzeugen. Das gesetzte Budget steht Ihnen im Weg? In jeder Idee liegt oft ein Grundgedanke, der sich auch kostengünstiger verwirklichen lässt.

Wurzelbehandlung

Ich habe einmal an einem Drehbuch gearbeitet und bin irgendwie nicht über die Grundidee hinausgekommen. Der Grund war, dass ich im Prinzip gar nicht wusste, was ich erzählen wollte. Um das wieder oder überhaupt rauszufinden, habe ich einfach frei über die Hauptfigur des Filmes geschrieben: Wer ist diese Figur, was will Sie und was ist einer ihrer bedeutendsten inneren und äußeren Konflikte? Ich war wirklich beeindruckt, wie gut das funktioniert hat.

Wenn Sie nicht weiterkommen, kann das also unter Umständen daran liegen, dass Sie nicht mehr wissen, um was es Ihnen eigentlich geht. Sie haben 100 Anforderungen und Erwartungen im Kopf und haben die Grundessenz verloren. Hier hilft es immer, sich hinzusetzen und einfach alles aufzuschreiben was Ihnen dazu einfällt. Auch hier bitte nicht werten. Schreiben Sie immer weiter; schreiben Sie Kauderwelsch – solange bis Sie das Gefühl haben, dass Sie an der Wurzel Ihrer Geschichte angelangt sind.

Zuversicht

Last but not least: Einfach machen! Haben Sie Selbstvertrauen. Es gibt kein Falsch und Richtig. Schauen Sie sich an, wie viele Künstler es gibt.  Jeder hat seinen eigenen Weg entwickelt. Sie müssen aber an einer Idee regelmäßig arbeiten, immer und immer wieder, solange bis das Ganze schlüssig ist. Dafür braucht es Zuversicht – eine der wichtigsten Zutaten für kreative Arbeit.

Trance

Das ist vielleicht nichts fürs Büro, aber mein voller Ernst. Von dieser Technik haben schon die Brontë-Schwestern Gebrauch gemacht und damit ihre Meisterwerke wie Jane Eyre oder Sturmhöhe verwirklicht. Zur Anregung ihrer Fantasie sind sie dafür im Raum auf- und abgegangen. Durch die Bewegung kommen die Gedanken in Schwung – durch relativ gleichbebende Bewegungen durch den Raum kann man sich sogar leicht in Trance versetzen, sein bewertendes Denken umgehen und sich der Dynamik der Geschichte hingeben. Wichtig ist es, danach seine Gedanken aufzuschreiben.

Ende

Alle oben genannten Ansätze haben mir bisher am besten dabei geholfen, meiner Kreativität wieder auf die Sprünge zu helfen. Wie man sich selbst am besten stimuliert, muss natürlich jeder für sich selbst rausfinden. Eine Technik, die einem ohne viel Zutun die Goldesel-Idee (es geht doch letztendlich um Geld, oder?) schenkt, gibt es zum Glück noch nicht – sonst wären gute Ideen nichts Besonderes mehr.

Und, was machen Sie, um sich ins Reich der der guten Einfälle zu beamen? Ich freue mich auf Ihre Kommentare. Mögen sie reichlich sein.

von Zarah Ziadi, mmpro-Redaktion

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