Geschmeidig klingen – 5 Stimmübungen fürs Interview

Jeder kennt es aus seiner Studienzeit: Der Professor, der die Vorlesung so mitreißend hielt, dass man bereits nach wenigen Minuten ins Reich der Träume entschlummerte. Ich hatte einen, der nach einer lauwarmen Begrüßung seinen Kopf nach vorne fallen ließ, seinen Blick starr auf ein Buch richtete und mit monotoner Stimme die Inhalte ablas. Der Kopf sollte unverändert bis zum Ende der anderthalb Stunden gesenkt bleiben ….

Zugegeben, das ist ein Extrembeispiel, aber es soll veranschaulichen, wie stark die Art und Weise des Vortrags bestimmt, ob Inhalte aufgenommen werden können oder durch einen urplötzlich auftretenden Tiefschlaf an einem vorbei rauschen.

Zur Artikulation gehören Gestik und Mimik, vor allem aber die Stimme selbst. Damit Ihnen Ihre Zuhörer beim nächsten Vortrag, Interview oder in der nächsten Videobotschaft wie gebannt folgen, habe ich fünf Übungen zusammengestellt, die schnell helfen, Ihre Stimme auf Vordermann zu bringen.

Selbst, wenn Sie gerade nicht unmittelbar vor einem Interviewtermin stehen – eine gesunde kräftige Stimme verleiht Ihnen auch in Ihrem täglichen Dasein mehr Charisma und Durchsetzungsvermögen! Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, dass die Übungen teilweise ein wenig verspielt anmuten. Ich verspreche Ihnen, es lohnt sich.

Am Anfang war der Atem

Sicherlich haben Sie schon davon gehört: Beim Sprechen entstehen die Töne durch die Atmung. Deswegen verursacht eine schlechte Atmung ein eingeschränktes Stimmpotenzial. Machen Sie folgende Übung: Stellen Sie sich entspannt hin. Der Kopf ist gerade und die Schultern hängen locker herunter. Atmen Sie ohne Anstrengung ganz ruhig ein und aus. Denken Sie daran, dass die Lunge sich in alle Richtungen um den Körper herum entfaltet. Am besten, Sie stellen sich einen Schwimmring vor und versuchen Sie ihn nach allen Seiten hin mit ihrer Atmung wegzudrücken. Nach einer Weile atmen Sie bei jedem dritten oder vierten Atemzug auf die Töne „ffff“, „ssss“ oder „sch“ aus – gleichmäßig und ohne Druck, mit dem normalen Atemstrom. Sollten Sie irgendwo im Körper Verspannungen wahrnehmen, lassen Sie diese mit jedem Ausatmen los. 

Summen Sie wie eine Biene

Um die Stimmbänder aufzuwärmen, gibt es diese einfache Übung: Tief einatmen, mit einem langen „Ssssssssss“ ausatmen und summen wie eine Biene – so lange, bis Sie keine Luft mehr haben. Sie werden merken, dass sich Ihr Sprachapparat danach gleich viel beweglicher anfühlt. Zur Erweiterung dieser Übung können Sie sich vorstellen, dass die Biene auf einem Skateboard auf einer Halfpipe sitzt und immer hoch und runtersaust: „ssssssSSSSSSSSSSssssssssssSSSSSSSSS“. Summen sie dabei den Bogen mit, den die Biene auf- und abfährt. Das macht die Stimmlippen noch flexibler und bei regelmäßiger Übung stark.

Schmatzen für den Wohlklang

Bei dieser Übung geht es in erster Linie darum, den Kiefer zu lockern. Dann kann die Luft besser fließen und Worte lassen sich leichter formen: Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine leckere Speise im Mund und kauen diese genüßlich. Dabei dürfen Sie auch laut schmatzen und Geräusche des Wohlbefindens von sich geben (mmijam, mhm … Sie wissen schon). Kauen Sie die Speise ausgiebig und sehr gründlich. Nebenbei finden Sie mit dieser Übung außerdem Ihre optimale Sprechstimmlage, also die Stimmhöhe, bei der Sie mit der geringsten Anstrengung einen optimalen Stimmklang erreichen.

Mit Zungenbrechern durch die Sprechstarre

Um der deutlichen Aussprache unter die Arme zu greifen und dem Nuscheln den Kampf anzusagen, habe ich hier noch eine Übung mit den allseits bekannten Zungenbrechern für Sie. Übungen mit Zungenbrechern führen dazu, dass Sie Konsonanten schneller und klarer aussprechen können. Ein gutes Sprechtraining ist die sogenannte „Ticke-Tacke-Übung“, quasi der Nachfolger des „Fischers Fritz fischt frische Fische“:

Sprechen Sie in normaler Lautstärke „Ticke-tacke-ticke-tacke-tick-tock-tock“.

Wiederholen Sie diesen Zungenbrecher und steigern Sie die Geschwindigkeit nach und nach. Auch hier gilt: Es muss sich gut und locker anfühlen.

Machen Sie den Mund auf!

Wussten Sie, dass die meisten von uns beim Sprechen den Mund nicht besonders weit aufbekommen? Das ist besonders verheerend bei Vokalen wie „a“ oder „e“. Mit dem Anwenden des Korken-Tricks machen Sie den Mund automatisch weiter auf und nicht nur das; Sie entwickeln auch mehr Gefühl dafür wie Ihre Artikulationswerkzeuge arbeiten. Platzieren Sie einfach einen Korken zwischen Ihren Zähen. Dabei ist wichtig, dass nur ein kleines Korkenstück in den Mund hinein ragt. Prüfen Sie das mit Ihrer Zunge. Diese muss sich noch leicht und bequem bewegen können. Dann sprechen Sie ihre vorbereitete Rede oder ihre vorbereiteten Interview-Antworten; erst langsam, dann schneller und auch in unterschiedlichen Lautstärken. Dabei ist es völlig in Ordnung, dass Sie mit der Zunge gegen den Korken stoßen. Achten Sie darauf, nicht zu fest zuzubeißen, denn das verspannt den Unterkiefer und ist hinderlich für ein entspanntes Sprechen. Nehmen Sie anschließend den Korken aus Ihrem Mund und sprechen Sie ihren Text noch einmal – hören und spüren Sie den Unterschied?

Für alle Übungen können Sie um die drei Minuten einplanen. Üben Sie regelmäßig – es lohnt sich und erfordert wenig Aufwand.

von Zarah Ziadi, mmpro-Redaktion

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