Unser weltweites Netzwerk: Moumita – unsere Creative Producerin in Indien

Wir arbeiten mit einem Netzwerk professioneller Filmschaffender aus aller Welt. So unterschiedlich die Anforderungen unserer Kunden manchmal sind, so unterschiedlich und vielseitig sind auch die Regionen und Menschen, mit denen wir arbeiten. In einer neuen Artikelserie stellen wir einige davon vor.

Moumita Das ist Creative Producer in Indien und arbeitet seit 2013 regelmäßig für mmpro. Während dieser Zeit verantwortete sie vor Ort zahlreiche Projekte und drehte für internationale Kunden wie Magna India Engineering, Siemens, Bayer, Accenture aber auch für NGOs wie die SOS Kinderdörfer. In einem Gespräch erzählte sie uns mehr über die Hintergründe ihrer Arbeit.

Wann hast Du Dich entschlossen, ein Creative Producer zu werden?

Ich bin seit meiner Kindheit ein kreativer Mensch, hatte das damals nie wirklich ausgelebt. Während meiner Studienzeit dachte ich immer, ich werde Journalistin. Während des Studiums bekam ich auch meine erste Spiegelreflexkamera und knipste wahllos Fotos, die meinen Professoren sehr gefielen. Ich staubte den ersten Preis bei einem Fotowettbewerb meiner Uni ab. Danach zog ich das erste Mal ernsthaft die Filmindustrie für meinen beruflichen Werdegang in Erwägung. Nachdem ich mir fünf bis sechs Jahre lang als Assistant Producer und Kamerafrau die Ästhetik der Filmgestaltung angeeignet hatte, wurde ich schließlich Creative Producer.

Was ist die Bandbreite Deiner Arbeit? Mit welchen Formaten arbeitest Du und für welche Art von Kunden?

Ich habe an vielen verschiedenen audiovisuellen Projekten in ganz Indien und einigen anderen Ländern gearbeitet. Dabei habe ich an der Kamera gearbeitet, Slider- oder Glidecam-Systeme bedient, war Line Producer und vieles mehr. Ich arbeite ausschließlich mit HD-Formaten oder hochwertiger. Ich arbeite für viele unterschiedliche Kunden: internationale Unternehmen, die Gastgewerbe-Branche, B2C-Unternehmen, oder für den IT- und Tourismus-Sektor. Ich habe bereits mit nahezu allen nennenswerten Filmproduktionen in Indien gearbeitet.

Was sind die Besonderheiten, die man bedenken muss, wenn man in Indien dreht?

Indien ist ein sehr vielfältiges Land, mit einer Mischung vieler Kulturen, Religionen und Menschen. Die Leute in Indien sind sehr freundlich und warmherzig. Wenn man also in Indien dreht, sollte man jedem Menschen gegenüber Respekt entgegenbringen und ihn so wie ein Familienmitglied behandeln. Das macht den Drehablauf sehr einfach. Es ist auch gut, immer im Kopf zu behalten, dass es in manchen ländlichen Gegenden, besonders in kleinen Dörfern, Frauen nicht erlaubt ist, viel mit dem anderen Geschlecht zu interagieren. Wenn es also ein ausschließlich männliches Filmteam ist, sollte man das berücksichtigen – und eher männliche Ansprechpartner adressieren.

Wo sind die Zentren der indischen Filmindustrie?

Alle Metropolen in Indien sind Zentren der Filmindustrie. Der Markt ist sprachlich segmentiert, in Indien werden 22 Sprachen gesprochen. Aber die Hauptmärkte sind Delhi, Mumbai, Kalkutta und Tamil Naidu. Da Indien eine sehr vielfältige Topografie hat, kann man hier alle möglichen Arten guter Locations bekommen: Strände, Wüsten, Berge, Seen oder was auch immer.

Wo in Indien ist es schwierig zu drehen?

Indien ist wie gesagt ein sehr gastfreundliches Land, daher gibt es im Grunde keine Gegend, in der man kategorisch nicht drehen könnte. Natürlich braucht man wie überall Genehmigungen. Dreharbeiten in Indien während großer Festivitäten oder populärer Jahrestage sind etwas schwierig. Dann ist es nicht so leicht, eine Genehmigung zu bekommen. In manchen Gegenden gibt es politische Spannungen, aber sogar dort ist es relativ einfach, Genehmigungen zu bekommen, wenn man sich rechtzeitig vorher an die Behörden wendet.

Gibt es verglichen mit der westlichen Art Filme zu machen Unterschiede bei den Bilderwelten und der Filmsprache in Indien?

Ich denke, Indien hat sich inzwischen bis zu einem Grad entwickelt, an dem jeder Unterschied in der Filmsprache zur westlichen Welt nivelliert ist. Es gibt aber sicherlich einige Unterschiede in der Bilderwelt, die in Indien vorherrschend sind. Das ergibt sich vor allem aus den unterschiedlichen äußeren Erscheinungsbildern der Menschen in unserem Land. Die Menschen im Norden, Westen, Osten und Süden haben sehr besondere Bekleidungsstile, die jeweils typisch für die jeweilige Region sind.

Bei Unternehmensfilmen jedenfalls gibt es durch die Anpassung an westliche Industrien und Unternehmen kaum noch Unterschiede.

Was war bislang die größte Herausforderung in Deiner Karriere?

Vor einigen Jahren drehte ich in Mewat, Haryana für eine NGO in einem kleinen Dorf während des Ramadans. Dieses Dorf ist mehrheitlich muslimisch und die Leute dürfen während der Fastenzeit nicht in den Spiegel schauen. Wir drehten eine Einstellung, in der eine Frau Wasser von einer Handpumpe schöpfte. Nach einigen Minuten kam ein Mann dazu und schrie mich an, wie ich der Frau die Kameralinse zeigen könnte. Denn sie kann ihr Spiegelbild darin sehen. Ich war schockiert. Viele Leute umringten mich und meine Crew hat mir an diesem Tag das Leben gerettet. Das war wahrscheinlich der schockierendste Moment in meiner Karriere als Filmschaffende.

Während der gleichen Dreharbeiten wollten wir eine Thai-Laterne in der Abenddämmerung drehen. Für die Probeaufnahme zündeten wir eine der Laternen an und das ganze Dorf versammelte sich vor unserem Gästehaus, in dem wir wohnten und behauptete, wir würden eine Art schwarze Magie gegen das Dorf ausüben. Es war das erste Mal, dass ich mit einer Dorfgemeinschaft zu tun hatte, die so völlig vom Fortschritt des Rests unseres Landes abgeschnitten war. An diesem Abend dachte ich, in was für eine verrückte Situation bist Du da nur geraten? Man lernt in seinem Leben so vieles kennen, und so vieles möchte man lieber nicht noch mal erleben. (lacht)

Kurz gesagt: Die größte Herausforderung in Indien ist es, eine weibliche Filmschaffende zu sein. Obwohl es auch einige Vorteile gibt, hat Indien noch einen langen Weg vor sich, bevor Frauen in der Medienbranche als Normalität akzeptiert werden.

Was war bisher Dein erfüllendstes Projekt?

Das ist die bisher beste Frage. (lacht)

Mein Dreh 2015 für mmpro in Bhubaneshwar in dem SOS Kinderdorf, Mayas Geschichte. Ich liebte es jeden Moment, diesen Film zu drehen. Es war nur ein Drehtag. Meine Crew und ich besuchten das SOS Kinderdorf das erste Mal und es war sehr beeindruckend zu sehen, wie enthusiastisch die Kinder dort waren. Die Betreuerin der Kinder empfing uns sehr warmherzig, bereite uns eine üppige Mahlzeit zu und erzählte uns von ihren schönen Erfahrungen mit den Kindern. Das war sehr berührend. Danach gingen wir in das Dorf, um dort die Kinder zu drehen. Zu sehen, wie Maya sich um die armen Kinder kümmert, war etwas sehr Besonderes für mich und hat ein Stück weit meinen Blick auf das Leben verändert. Ich danke mmpro und Maya dafür, mich in das Projekt geholt zu haben. Die Eindrücke sind immer noch sehr präsent und fühlen sich gut an.

 

Lars Hoeppner, mmpro Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.